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Kampf gegen weibliche GenitalverstümmelungMarina Schuster ehrt Waris Dirie

Von li. na. re.: Markus Löning, Dr. Juli Minoves, Waris Dirie, Marina Schuster, Manfred Eisenbach Von li. na. re.: Markus Löning, Dr. Juli Minoves, Waris Dirie, Marina Schuster, Manfred Eisenbach
Zwar ist Marina Schuster nicht mehr im Bundestag vertreten, aber ihr Einsatz für Menschenrechte geht weiter. So wurde ihr die Ehre zu teil, anlässlich der Preisverleihung des "Liberal International Prize for Freedom" an das ehemalige Fotomodel Waris Dirie im House of Lords in London zu sprechen. Denn Marina Schuster hatte Waris Dirie dem internationalen Dachverband der liberalen Parteien als Preisträgerin vorgeschlagen und freute sich nun, dass die Jury ihrem Vorschlag gefolgt ist. Liberal International verleiht jedes Jahr den Preis an Menschen, die sich für Freiheit und Menschenrechte einsetzen.

Marina Schuster machte bei der Verleihung am Donnerstag in London deutlich, dass das Thema Weibliche Genitalverstümmelung nicht in Vergessenheit geraten dürfe und zurück müsse auf die internationale Agenda. "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein barbarischer Akt, eine irreparable Menschenrechtsverletzung. Unser Einsatz für die körperliche Unversehrtheit und die Selbstbestimmung der Frau darf nicht aufhören. Frauenrechte dürfen nicht Menschenrechte zweiter Klasse sein", so Schuster weiter.

Nach Angaben von UNICEF sind weltweit 140 Millionen Frauen Opfer von Genitalverstümmelung geworden. Nach Schätzungen sind jährlich 2500 Mädchen auch in Deutschland bedroht; oft wird die Verstümmelung durch eine sog. "Ferienbeschneidung" vorgenommen, bei der die Mädchen in ihr Heimatland verbracht werden und das grausame Ritual vorgenommen wird. "Ich bin deswegen stolz und dankbar, dass Sabine Leutheusser-Schnarrenberger 2013 einen eigenen Straftatbestand (226a StGB) geschaffen hat; denn nun gibt es keine Strafbarkeitslücke mehr", so Marina Schuster in ihrer Rede im House of Lords.

Waris Dirie, die aus einer somalischen Nomadenfamilie stammt, wurde im Alter von 5 Jahren verstümmelt. Als 13-Jährige gelang ihr die Flucht vor einer Zwangsverheiratung nach London. Dort schuftete sie ohne jede Rechte in einem Diplomatenhaushalt, bevor sie vom Fotografen Terence Donovan als Fotomodell entdeckt wurde. Auf der Höhe ihrer internationalen Modelkarriere gab sie der Zeitschrift Marie Claire ein aufsehenerregendes Interview, in der sie all ihren Mut zusammen nahm und berichtete, was ihr als Kind widerfahren ist. Von UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde sie zur UN Sonderbeauftragten für den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung ernannt. Seitdem widmet sie sich mit ihrer eigenen Stiftung - der "Desertflower Foundation" dem Schutz von Mädchen, der Aufklärung, Bildung und der Unterstützung von Betroffenen.

Die Preisträgerin, die aus den Händen der britischen Ministerin Lynne Featherstone und Liberal International President Dr. Juli Minoves den Preis erhielt, machte in ihrer Rede deutlich: "Der Preis ist nicht für mich, sondern für alle Frauen, die davon betroffen sind, und die keine Stimme haben."

Den Artikel finden Sie auch hier:

Weitere Informationen:
Am 06. Februar ist der internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation) (FGM). Weibliche Genitalverstümmelung bezeichnet die Menschenrechtsverletzung, bei der Mädchen zur Kontrolle ihrer Sexualität Teile des Genitals abgeschnitten oder verletzt werden. Die Praxis, in der Mädchen die äußeren, inneren Schamlippen und die Klitoris entfernt werden, ist in 28 Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel aber auch und in Asien verbreitet. In Ägypten sind 90% der Frauen betroffen, in Kenia 27%, im Jemen 23%, in Indonesien ca. 88 %. Das Ritual ist weder "afrikanisch" noch "islamisch". Häufig kommt es zu schweren Infektionen und zum Tod, in allen Fällen zu lebenslangen körperlichen und seelischen Beschwerden. Viele Frauen sterben später bei der Geburt ihrer Kinder. Die Autobiographie von Waris Dirie "Wüstenblume" ist im Buchhandel erhältlich.
Mehr Informationen zu diesem Thema finden sich bei www.terredesfemmes.de.

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